Calais Dezember 2018/Januar 2019: Ein Bericht für euch, die Spender*innen

Über Weihnachten war Lukas zusammen mit einige Kölner*innen in Calais. Am 11. Februar organisiert Hopetal e.V. im Info-Café Wuppertal eine Info-Veranstaltung über die Arbeit in Calais. Anfang: 19:30 Uhr, Wiesenstraße 48, 42105 Wuppertal. Vorab publizieren wir ein Bericht, geschrieben von Christine Stühlen.

Wie ist die Lage in Calais?

Im Januar 2019 befinden sich in der Region Calais- Dhünkirchen zwischen 1.000 und 1.200 Menschen. Im November 2018 wurde von Help refugees auf der Basis 416 Interviewter Geflüchteter eine Schätzung durchgeführt, der zufolge diese zu etwa 40% aus dem Iran kommen, gefolgt von kleineren Gruppen aus Eritrea (14,6%), Afghanistan (14,1%), dem Sudan (10,6%) und weiteren afrikanischen und Nahost-Ländern. Diese Zahlen variieren allerdings und können nicht zuverlässig erhoben werden und sind daher nicht repräsentativ. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, weshalb viele Menschen die [1] Grenze nach Großbritannien überqueren wollen: Viele haben bereits Familie dort oder sprechen bereits Englisch, von anderen wurde in einem anderen Land bereits negativ über ihren Asylantrag entschieden und sie befinden sich immer noch auf der Suche nach einem sicheren Ort.

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Große Hürden für eine sichere Überfahrt

Großbritannien wiederum schottet sich in Zusammenarbeit mit der französischen Regierung systematisch ab. Für die Abwehr der geflüchteten Menschen stellte die britische Regierung unter Theresa May im Januar 2018 Frankreich 50 Mio. Euro bereit. In [2] Calais selbst gibt es keine Asylzentren: viele Menschen versuchen deshalb, in den Frachträumen von LKWs und Schiffen, nach England zu gelangen. Die vielen tödlichen Unfälle, die das zur Folge hat, finden in der medialen Berichterstattung allerdings kaum
Berücksichtigung. Frankreichs Präsident Macron steht wiederum unter starkem [3] innenpolitischen Druck, die Lage in Calais „in den Griff zu bekommen“. Das wird auf dem Rücken der schutzsuchenden Menschen ausgetragen, die in der Region Calais nicht ansatzweise menschenwürdig behandelt werden. Es gibt zu wenige Unterkünfte, in denen nicht alle Geflüchteten Platz finden – viele von diesen Unterkünften öffnen ihre Pforten außerdem erst bei Temperaturen unter 0 Grad, was bedeutet, dass Menschen bei nächtlichen Temperaturen von 1- 2 Grad weiterhin auf der Straße schlafen. Weiterhin kommt es beinahe täglich zu Räumungen durch die CRS (Compagnies Republicaines de Securité), die den Menschen widerrechtlich ihre wenigen Habseligkeiten wegnehmen und sie von ihren Schlafplätzen (z.B. unter Autobahnbrücken) vertreiben, oft unter Einsatz von Tränengas und anderer physischer Gewalt.

Die Situation in und um Calais kann damit als Symptom einer europäischen Abschottungspolitik verstanden werden, die auf dem Rücken derjenigen ausgetragen wird, die auf der Suche nach Schutz zu uns kommen und stattdessen nicht als Menschen behandelt werden, sondern als Eindringlinge, vor denen es sich zu schützen gilt.

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Was haben wir in Calais gemacht?

Um die Menschen in Calais und Dhünkirchen wenigstens mit dem Notwendigsten zu versorgen, haben sich dort in den letzten Jahren einige humanitäre Organisationen  angesiedelt, die auf Spenden und freiwillige Helfer*innen angewiesen sind (Help refugees, Refugee Community Kitchen, L’Auberge des Migrants, Utopia 56, Refugee Youth Service, Refugee Info Bus, …). Die Organisationen sind alle unter dem Dach einer großen Industriehalle ansässig, so dass jeden Morgen neu entschieden werden kann, wo die
anwesenden Personen am sinnvollsten eingesetzt werden können.

Die Arbeitsbereiche gliedern sich in die Küche, wo derzeit täglich Essen für ca. 1.200 Menschen gekocht wird, das Warehouse, wo ankommende Sachspenden sortiert und für die Vergabe vorbereitet werden, und den Woodyard, wo Holz gehackt und in Beutel gefüllt wird, die dann wiederum zum Feuermachen verwendet  werden können. Zusätzlich werden jeden Tag Menschen gebraucht, die das Essen und die Sachspenden an die Geflüchteten verteilen. Die Strukturen sind dabei so angelegt, dass Helfer*innen, die nur für einen kurzen Zeitraum in Calais sind, sich gut einbringen können. Unsere Reisegruppe konnte sich entsprechend auf alle Bereiche aufteilen.

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Wie wurden eure Spenden eingesetzt?

Insgesamt haben wir mehr als 5 000 Euro Spendengelder sammeln können, die wir in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt haben. Beispielsweise haben wir von eurem Geld zwei Gemüselieferungen bezahlt, die für circa zwei Wochen dabei hilft, die ungefähr 1 200 Menschen vor Ort zu ernähren. Außerdem haben wir einen Teil der Gelder für ein Weihnachtsessen in Calais gestrandeter orthodoxer Christen und für weitere Essenseinkäufe eingesetzt. Von staatlicher Seite wird nur Frühstück und teilweise Mittagessen bereit gestellt, das aber nicht für alle Geflüchteten ausreicht und oftmals nicht an kulturelle und religiöse Essgewohnheiten angepasst ist [4]. Euer Geld sorgt dafür, dass Menschen unter (halbwegs) menschenwürdigen Bedingungen mit Essen versorgt werden können.

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Weiterhin haben wir von einem großen Teil des Geldes Objekte speziell für Geflüchtete im Choose Love-Store von [5] Help Refugees erworben. So haben wir zum Beispiel Schlafsäcke, Zelte, Winterkleidung und Hygienepacks erstanden – alles Dinge, die dort bitter benötigt werden. Einen weiteren Teil haben wir gezielt an Help Refugees überwiesen. Diese Gelder helfen dabei, Kosten zu tragen, die täglich im Rahmen humanitärer Hilfe anfallen: juristische Beratung, psychologische Betreuung, die Betreuung von Kindern und unbegleiteten Minderjährigen, Geld für Notunterkünfte und
medizinische Versorgung.

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Wie geht es weiter und was kann noch getan werden?

Calais steht exemplarisch für eine systematische Abschottungspolitik an den europäischen Grenzen. Solange sich diese politische Situation nicht ändert (und danach sieht es leider derzeit nicht aus), wird es weiterhin viele Menschen auf der Flucht vor Vertreibung,Hunger und Gewalt geben, deren grundlegende Menschenrechte – zum Beispiel auf Nahrung und Unterschlupf – bei uns in Europa missachtet werden.
Ungeachtet der politischen Einstellung sollte dieser Umstand von aufgeklärten
Bürger*innen nicht akzeptiert werden. Wir können euch deshalb nur dringend empfehlen, euch weiterhin über die Situation in Calais, aber auch an den Grenzen in Griechenland, Italien und der Balkanroute zu informieren und euch mit anderen Menschen darüber auszutauschen.

Überall werden freiwillige Helfer*innen gebraucht, die diese Strukturen humanitärer Hilfe am Leben halten. Wer sich engagieren will, kann das auch über einen kurzen Zeitraum tun oder Geld spenden. An dieser Stelle gebührt euch allen ein großer Dank: für eure Unterstützung und für euer Interesse! DANKE!!!!

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Am 11. Februar organisiert Hopetal e.V. im Info-Café Wuppertal eine Info-Veranstaltung über die Fahrt in Calais. Anfang: 19:30 Uhr, Wiesenstraße 48, 42105 Wuppertal.

[1] https://docs.google.com/document/d/1B7zOCwwcy8FaFCouE8k1wHlXnnNmqKdJ2eJXggVzynA/

[2] https://www.focus.de/politik/ausland/fluechtlingsabwehr-in-calais-london-gibt-paris-50-millionen-euro_id_8325995.html

[3] https://www.independent.co.uk/news/long_reads/refugees-calais-jungle-camp-french-police-brutality-a8674596.html

[4] La vie active

[5] https://choose.love/



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Ein Gedanke zu “Calais Dezember 2018/Januar 2019: Ein Bericht für euch, die Spender*innen

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